Integration – was die Presse zu vergessen scheint

Vielleicht habt ihr am 20. Mai in der Mainpost den Artikel „Marathon: Somalischer Flüchtling will Erster werden“ gelesen. Wenn ihr unseren Blog schon länger verfolgt, habt ihr Ismael vielleicht von unserem Weinhallalauf 2016 Artikel wiedererkannt. Dabei habt ihr sicherlich auch bemerkt, dass hinter dieser ominösen „Logistikfirma“, bei der Ismael eine Ausbildung macht, wir stecken. In diesem Blogbeitrag wollen wir euch gerne einen Einblick in unsere Gedanken zu dem Artikel und zur Integration von Flüchtlingen geben.

Wir freuen uns natürlich, dass Ismael mit seinem Lauftalent nicht nur sich selbst und uns, sondern auch andere Menschen überrascht und begeistert hat. Einige Aussagen des Artikels über unseren Spitzenläufer, ecken bei uns jedoch ein wenig an und lassen viele Fragen offen. Beispielsweise ging es laut Artikel Frau Annette Wolz nicht darum in diesem Artikel vermarktet zu werden. Doch warum steht sie dann im Vordergrund des Titelbilds und beide Läufer tragen ihre Shirts? Hätte es nicht gereicht einen Artikel über einen jungen Flüchtling, der sein Talent im Laufen entdeckt hat, zu verfassen? Auch fragen wir uns, warum es so schwer ist einen passenden Trainingspartner zu finden, wenn Frau Wolz doch ein gesamtes Sportnetzwerk zur Verfügung steht. Sehr enttäuschend fanden wir ebenfalls die Aussage, dass Ismael beim Residenzlauf nicht einmal eine Sportuhr zur Verfügung hatte. Das mag stimmen, doch ist es zur Integration oder für den Sieg denn wirklich so wichtig eine Sportuhr zu besitzen? Muss sofort alles auf reine Leistung getrimmt sein und der Spaß kommt erst an zweiter Stelle? Mit genug Motivation und Ehrgeiz lief Abebe Bikila sogar ohne Schuhe eine neue Weltbestzeit im Marathon. 

In jedem Fall sind wir Frau Wolz natürlich dankbar, dass sie Ihren Teil zur Integration von Ismael mit Hilfe ihres Sportnetzwerks beiträgt. Doch neben solchen Unterstützern und natürlich dem Flüchting selbst gehören noch wesentlich mehr Leute zu einer erfolgreichen Integration dazu. Vergessen werden hier oft die Leute, die täglich ihren Teil beitragen. Integration bedeutet nicht, dass zwangsläufig nur Flüchtlinge sich in eine neue Umgebung/Umwelt integrieren müssen, sondern auch das diese Umgebung eine Integration überhaupt zulässt. Flüchtlinge und Heimische müssen beide an sich arbeiten, sich verstehen lernen und dem anderen Chancen geben. Nicht nur Flüchtlinge müssen sich an eine neue Situation gewöhnen, sondern auch wir. Lediglich extrem positive oder negative Beispiele der Integration, vor allem in den Medien, werden Wenige dazu bewegen ihren Teil beizutragen. Erst wenn man irgendwo aneckt, kann man lernen. Je mehr Menschen sich aktiv mit dem Thema Integration befassen, um so besser wird diese gelingen. Letztlich ist es wie ein Gespräch zwischen zwei Menschen, wenn man friedlich und ohne Vorurteile versucht sich gegenseitig zu verstehen, um so besser kommt man miteinander zurecht. Dies wird nicht immer klappen, aber mit jeder Interaktion können beide Seiten dazulernen. Hierbei sind Geduld und Verständnis der Schlüssel (Wie übrigens bei vielen Konflikten).

Manchmal wirft ein Zeitungsartikel einfach mehr Fragen auf, als er beantwortet – vor allem, wenn man selbst die Geschichte dahinter kennt. Einen Versandhandel als Logistikfirma zu bezeichnen zeugt unserer Meinung nach schon von schlechter Recherche oder Unwissen. Mit unserem Hintergrundwissen zog sich dieser Gedanke durch den gesamten Artikel. Dabei ist doch Integration weit mehr, als uns die Presse mitteilt – Schade.